Die Vergesslichkeit der Eichhörnchen

FSK 12 109 min Drama

Produktion: Deutschland 2020

Verleih: Filmwelt

Darsteller: Emilia Schüle, Günther Maria Halmer, Anna Stieblich

Regie: Nadine Heinze, Marc Dietschreit

Curt leidet an Demenz: Immer öfter gleitet er in die Vergangenheit und verwechselt Marija, seine blutjunge Pflegerin aus der Ukraine, mit ihr.

Papa ist durch den Wind. Tochter Almut (wunderbar biestig: Anna Stieblich) kann einfach nicht mehr. Was also tut man in gut situierten Kreisen, wenn sich die Pflege des dementen Vaters (Günther Maria Halmer) nicht mehr allein stemmen lässt? Genau, man kauft eine junge Frau aus dem Osten für Papa Curt ein. Für den Dienst 24/7 – also rund um die Uhr. Almut, eine anstrengende ältere Frau aus bestem Haus, macht das schon. Die 27-jährige Ukrainerin Marija (Emilia Schüle) übernimmt den Job bei Papa Curt, auch wenn es nervig wird. Sie ist auf das Geld angewiesen. Almut schikaniert Marija. Curts Sohn Philipp (Fabian Hinrichs) stellt ihr unverhohlen nach. Curt selbst ist auch nicht gerade pflegeleicht. Bis Marija Borschtsch, die rote Suppe aus ihrer Heimat, kocht. Alma will gerade Etepetete werden, da haut Vater Curt auf den Tisch: „Es wird gegessen, was Mama gekocht hat.“ Der alte Mann verwechselt seine Pflegerin mit seiner verstorbenen Frau. Das Missverständnis lässt sich nicht auflösen. Warum also nicht sich darin einrichten? Marija steigt zur Frau des Hauses auf und beginnt eine Zeitreise. Denn als Curt jung war, da schrieb man die 1970er. Und wenn schon Illusion, dann aber richtig: Mercedes-Cabrio und zartrosa Kostümkleidchen inklusive.
Kann das auf Dauer gut gehen? Das ist eindeutig die falsche Frage. Nadine Heinze und Marc Dietschreit schauen mit Humor und Lebensfreundlichkeit viel lieber auf das was geht, solange es eben geht. Ihre bittersüße Komödie DIE VERGESSLICHKEIT DER EICHHÖRNCHEN spielt mit dem Thema Demenz. Günther Maria Halmer gibt sich, wie man ihn kennt: rau in der Ansprache, aber eben doch mit Herz unter der Lederhaut. Emilia Schüle gelingt sehr charmant der Rollentausch von der Pflege-Sklavin zur Dame im Liegestuhl am Swimmingpool. Elegant gelingt es den beiden Regisseuren, die Requisiten längst vergangener, aber eben nicht vergessener Tage im Jetztzeit-Setting zu platzieren. Vor allem aber: Ihr Film bringt zum Lachen, macht die Menschen, um die es geht, nie lächerlich. Almut und Philipp kriegen schon ihr Fett weg. Aber um sie geht es ja nun auch nicht wirklich.

Verfügbare Formate:
2D

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