Geliebte Köchin

"Liebe geht durch den Magen", heißt es. Selten hat jemand diesen so platt klingenden Satz in ein bildschönes Kunstwerk verwandelt gesehen wie der Regisseur Tran Anh Hung in dem Melodram GELIEBTE KÖCHIN. Nun ist das Sprichwort deutsch und der Regisseur ein Vietnamese, der seit ewigen Zeiten in Frankreich lebt. Also nimmt er sich Zeit für das Zubereiten einer Mahlzeit, die in Wirklichkeit eine Delikatesse ist. Die Hauptrolle spielt die wunderbar nahe und zugleich ein wenig unnahbare Juliette Binoche. Sie ist ganz und gar Französin.

Fast 40 Minuten dauert die Eröffnungssequenz. Sie beginnt in einem sonnendurchfluteten Garten und setzt sich in der Küche eines Gasthauses fort. Zur Einordung, wir sind im Frankreich des 19. Jahrhunderts. Hier also zelebriert die Köchin Eugénie (Juliette Binoche) ihre Kunst. Der Besitzer des Restaurants Dodin (Benoît Magimel), der "Napoleon der Kochkunst", schaut dabei zu und hilft gelegentlich. Die Küchenhilfen Violette (Galatéa Bellugi) und Pauline (Bonnie Chagneau-Ravoire) assistieren folgsam der Herrin am Herd. Pauline besitzt die Gabe, alle Zutaten eines Gerichts herauszuschmecken.

Wenig wird gesprochen, doch die Szene setzt den Ton. Mehr erfährt man später: Dodin ist für Eugénie mehr als nur ein Chef. Sie weigert sich, ihn zu heiraten, nicht aber, mit ihm das Bett zu teilen. Wenn sie Lust hat, ihre Schlafzimmertür offen zu lassen. Eugénie fühlt sich mitunter unpässlich und dies - aber eben nicht nur dies - ist der Anlass für Dodin, sich selbst an den Herd zu stellen.

Regisseur Tran Anh Hung (DER DUFT DER GRÜNEN PAPAYA) orientierte sich grob an dem gleichnamigen Roman Marcel Rouffs aus den 1930er Jahren, als er das Drehbuch zur Spät-Romanze GELIEBTE KÖCHIN schrieb. Juliette Binoche leuchtet als Frau, die sich selbst, ihrer Lieben und deren Grenzen bewusst ist. Benoît Magimel, mit dem sie mal im richtigen Leben liiert war, umwirbt sie kunstfertig und stilsicher. Gemeinsam wecken sie den Lebenshunger, während man sich an ihrem Zusammenspiel nicht satt sehen kann. Der Regisseur gewann den Regiepreis in Cannes. Frankreich schickt die Küchen-Romanze ins Rennen um den Auslandsoscar. Das alles sind nette Beilagen zum Hauptgericht: dem Zu- und Hinschauen.

Frankreich 2023

Regie: Tran Anh Hung

Darsteller: Juliette Binoche, Benoît Magimel, Pierre Gagnaire u.a.

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Ab 6 Jahren  |  136 Minuten