Wild Horse Nine
So smalltalk-mäßig erklärt CIA-Agent Chris (John Malkovich) zwei jungen chilenischen Studentinnen, was auf ihr Land zukommt. Locker am Gate eines Flughafens sitzend sagt er: "Genießen Sie Ihren Präsidenten, so lange er noch im Amt ist." Neben ihm sitzt sein Kumpel Lee und spielt das Geplauder halbherzig runter. Und weiter geht es für die beiden auf die Osterinseln. Da wollen sie sich "dicke Köpfe" anschauen und haben auch noch weitere Dinge im Sinne der Geheimdienste zu erledigen. Das Ganze ereignet sich übrigens 1973, unmittelbar vor dem von den Amerikanern betriebenen Putsch gegen Salvador Allende.
Das Ganze passiert zudem in der tiefschwarzen Agentenkomödie WILD HORSE NINE von Martin McDonagh. Die war beim Filmfest in Venedig im Wettbewerb zu sehen und ließ John Malkovich den Darstellerpreis gewinnen. Der Regisseur, der für seinen Film THREE BILLBOARDS OUTSIDE EBBING, MISSOURI einen Oscar einsammelte, meint seine Farce durchaus politisch. Aber eben nicht nur: Es geht auch um Freundschaft und das nahe Ende: Chris hat nämlich Krebs und will von Lee aufs Stichwort umgebracht werden. Was nun ganz gut passt, weil ihr Vorgesetzter (Steve Buscemi) den so munter drauflosschwätzenden Senior am liebsten tot sehen würde. Die Moai-Figuren auf der Insel baut der Regisseur ebenfalls sinnvoll ins Szenenbild ein. Malerisch sehen sie aus und sind immer für einen Gag gut. Die Filmsprache des Iren McDonagh, der seine Drehbücher selbst schreibt, kann harsch sein. Waffen kommen durchaus zum Einsatz. Was er ebenfalls perfekt beherrscht: sarkastische Oneliner, die messerscharf sind und eine Handlung fach- und kunstgerecht aus dem Ruder laufen lassen. Außerdem spielt Tom Waits mit. Das ist nie was Schlechtes.
Schwarze Komödie; GB/USA/CL 2026; Regie: Martin McDonagh; Darsteller: John Malkovich, Sam Rockwell, Steve Buscemi u.a.