Schwarze Häuser
Erholungsheime und Kinderkur - die Wörter klingen doch ganz anheimelnd. Sechs Wochen Ferien genießen die Mädchen und Jungen zum Beispiel in Bad Rothenfelde oder Borkum, alles bezahlt von der Krankenkasse. Direkt nach dem Krieg bis in die 1990er Jahre erlebten mehr als zehn Millionen Kinder solche Sommerfrische. Viele von ihnen durchlitten sie. Denn die Zeit in den Kurheimen war oftmals alles andere als ein sechswöchiger Kindergeburtstag. Demütigung und Disziplinierung mussten die Mädchen und Jungen erdulden. Medikamententests, meist um Renitente ruhig zu stellen, gab es. Die Filmemacherin Katrin Sikora ließ sich für SCHWARZE HÄUSER in ihrer Abschlussarbeit an der Filmhochschule Babelsberg diese Geschichten erzählen. Katrin Sikoras Mutter erzählte ihr an Weihnachten 2019, viele Jahre, nachdem sie in Bad Rothenfelde "aufgepäppelt" wurde. Eingewoben in diese erst sehr persönliche und dann weit über deren Rand hinausblickende Perspektive ist die Dokumentation eines Theaterprojekts mit Jugendlichen, das dieses Thema aufgreift. Die schwarz-weißen Filmdokumente verwandeln sich in bedrückend realitätsnahe Szenen. Katrin Sikoras Film nutzt Sabine Ludwigs Buchvorlage "Schwarze Häuser". Der Titel bezieht sich auf einen Geheimcode. Weil die Post kontrolliert wurde, malte das Mädchen bunte Häuser, wenn es ihr gut ging und schwarze, wenn es ihr schlecht ging. Die Farbstifte brauchte sie selten.
Im Rahmen der Reihe "Das Filmgespräch" vertieft Detlef Lichtrauter, Protagonist im Film sowie Vorsitzender des Vereins Aufarbeitung Kinderverschickungen NRW e.V., im Anschluss an die Vorführung die Eindrücke.
Dokumentarfilm, Deutschland 2026, Regie: Katrin Sikora