Lügen über meine Mutter
Cornelia ist zu dick! Sagt Werner. Und der muss es wissen, denn er ist ja ihr Mann. In der rheinland-pfälzischen Provinz in den 1980er Jahren darf sich Werner (Golo Euler) solche Sätze erlauben wie: "Ich bekomme niemals eine gehobene Stelle ohne eine vorzeigbare Frau." Aber der Mann mit Schnauzer traut sich noch mehr: Er stellt seine Frau (Rosalie Thomass) jeden Tag auf die Waage und setzt sie auf Diät. Was sich in dem trauten Heim zwischen "Brigitte"-Diät und Fressattacken im Keller ereignet, wird von Kinderaugen beobachtet. Die sechsjährige Tochter Ela (Elise Lindner) sieht, wie Werners Schlankheitswahn zur Manie wird. Das Mädchen wird sogar zu seiner Komplizin und macht sich Sorgen um die Gesundheit ihrer Mutter. Ela weiß es nicht besser. Sie ist halt noch ein Kind.
Nachdem sie es besser wusste, hat Daniela Dröscher den autobiographischen Roman LÜGEN ÜBER MEINE MUTTER geschrieben. Aron Lehmann hat ihn verfilmt und der Vorlage mit trockenem Humor und einem fast schon satirisch kotzbrockigen Golo Euler als Werner einiges von seiner Schwere genommen. Weil Daniela (Dröscher) eben nicht mehr die kleine Ela ist, schaut das Mädchen mitunter von der Leinwand direkt herab ins Publikum und klärt ein paar Dinge für die Zusehenden. Der Soundtrack, mit Neue-Deutsche-Welle-Schnipseln, leistet seinen Beitrag zum bitterkomischen Grundton. Und natürlich ist es immer schön nostalgisch, an Kleidung und Interieurs der 1980er erinnert zu werden. Früher war wirklich nicht alles besser. Auch das trägt zur ermutigenden Wirkung des Films bei. Allerdings nicht so sehr wie Cornelias Solo auf der Tanzfläche!
Deutschland 2026, Regie: Aron Lehmann, Darsteller: Rosalie Thomass, Golo Euler, Elise Lindner u.a.