Lieblingsmenschen

Da versteht Agnes nun keinen Spaß. Es lümmelt sich doch tatsächlich ein junger Mann auf ihrer Parkbank! Steht da nicht ausdrücklich drauf: "Für Agnes - für immer - 1992"? Kurzerhand kickt Agnes (Katharina Thalbach), wie ein Barsch auf dem Trockenen nach Luft schnappend, den Bankbesetzer von seinem Lager. Es ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zwischen einer 101-jährigen Ur-Berlinerin mit entsprechendem Mundwerk und einem sehr höflichen 28-jährigen Flüchtling aus dem Iran. Beide haben so ihre Nöte: Agnes soll ins Altersheim. Amir muss nachweisen, dass er wirklich schwul ist, damit er nicht im Iran in eine Todeszelle kommt. Kurzerhand gründen sie eine WG, was Wohngemeinschaft heißt, wie Agnes allen, die es wissen wollen, erklärt. Wo man schon mal beim gegenseitigen Helfen ist: Die Frau mit klaren Ansagen, sorgt dafür, dass ihr Mitbewohner einen passenden Freund findet. Im Gegenzug kümmert sich Amir darum, dass die "rüstige Rentnerin" einen Weltrekord aufstellen kann. Sie will die älteste Teilnehmerin bei einem Tanzturnier werden.

Der erste Gedanke, wenn sich die Geschichte des Wohlfühlfilms LIEBLINGSMENSCHEN erzählt, ist der an HAROLD AND MAUDE. Der zweite Blick ist aber der weitaus lohnendere. Die Regisseurin Helena Hufnagel verfilmte gemeinsam mit Drehbuchautor Malte Welding eine wahre Geschichte. Sie beschreibt DIE AUSSERGEWÖHNLICHE FREUNDSCHAFT VON AGNES UND AMIR. Ein Beitrag im ZDF brachte sie auf die Idee. Die Adaption fürs Kino kann sich dabei auf wunderbar kuriose Szenen verlassen: der gemeinsame Besuch im Fitness-Center gehört dazu und der Nachmittags-Tee im Café Kranzler. Vor allem aber vergnügen die Scharmützel zwischen Katharina Thalbach und dem Deutsch-Iraner Bardo Böhlefeld. Die 72-Jährige legt dank Maske 30 Jahre drauf und beweist ein perfektes Timing, wenn es um sarkastische Bissigkeit geht. Rüstig, so sagt sie, meint "tot, aber zuckt noch". Bardo Böhlefeld, der auch singt, hält mit Sanftmut und Freundlichkeit dagegen. Beide hangeln sich keineswegs von Gag zu Gag, sondern strahlen als echte Menschen, die eben auch echte Sorgen haben. Denn darauf kommt es im Leben an, wie die Über-100-Jährige weiß: "Viel Glück und wenig Pech zu haben."

Deutschland 2026; Regie: Helena Hufnagel; Darsteller: Katharina Thalbach, Bardo Böhlefeld u.a.

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Ab 6 Jahren  |  108 Minuten

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