Frau Winkler verlässt das Haus
Die Zukunft beginnt in knapp vier Jahren. Denn im Jahr 2030 klettert die frühere Schauspielerin Frau Winkler (Angela Winkler) in Sachen Hausarbeit auf einen Hocker. Einige Bücher verbessern ihre Reichweite. Die Sache geht aber nicht gut aus. Frau Winkler braucht fortan Pflege. Ihre Tochter Emi (Laura Tonke) kann sich nicht mehr regelmäßig kümmern. Sie hat inzwischen ein Theater-Engagement angenommen. Es gibt aber einen Ausweg: Ein Pflegeroboter hält Einzug im Haus und übernimmt alle Arbeiten. Die künstliche Intelligenz beweist sich als übermenschlich fürsorglich. Frau Winkler will eigentlich mit der Maschine nicht reden. Die aber kann Tschechow zitieren. Das bringt Sympathie-Punkte. Die Seniorin und die Maschine freunden sich an. Sie nennt ihn Pawlowitsch, das ist der zweite Vorname Tschechows. Pawlowitsch bringt die chronisch wütende Seniorin sogar zum Lachen. Deutlich ernster: Der Pflegeroboter kann mehr als die Werke von Tschechow speichern.
Die inzwischen 71-jährige Regisseurin Doris Dörrie (KIRSCHBLÜTEN - HANAMI) erzählt eine Science-Fiction-Story, die längst auf dem Weg ist, Realität zu werden. Ihre Tragikomödie FRAU WINKLER VERLÄSST DAS HAUS vermittelt genau diesen Eindruck. Szenenbild und Farbwahl entsprechen dem Heute. Utopisch(?) kommt einem nur Pawlowitsch vor. Doris Dörrie unterlegt ihre Zukunftsmusik mit sehr gegenwärtigen Themen: Frau Winkler spricht über Einsamkeit und Trauer und von der Verantwortung, die Kinder gegenüber ihren Eltern empfinden. Zugleich stellt sie eine Frage, die einem bei der Diskussion um die Nutzung von KI längst auf den Nägeln brennt: Welchem Herrn (oder welcher Frau) dient sie wirklich?
Drama, Komödie; Deutschland 2026; Regie: Doris Dörrie; Darsteller: Angela Winkler, Laura Tonke, Klara Lange u.a.