Ein Talent fürs Morden
Eines schönen - oder vielleicht auch weniger schönen - Tages im Jahr 1995 klopft der Junglektor Edward Ridgeway (Alden Ehrenreich) an die Tür von Patricia Highsmith (Helen Mirren). Die Bestsellerautorin lebt, Kette rauchend und Whisky schlürfend, zurückgezogen in einem Schweizer Alpenchalet. Von Menschen und fiktiven Morden hat die Mutter von "Mr. Ripley" die Nase voll. Der junge Eindringling mit Lockenfrisur und Hoodie soll der Griesgrämin einen sechsten Krimi aus der Tastatur ihrer Olympia-Schreibmaschine leiern. Die beiden sind sich von Beginn an grundunsympathisch. Kein Wunder: Patricia Highsmith lässt beim Frühstück schon mal ein Fläschchen mit Arsen neben dem Rührei stehen. Die Autorin macht dem jungen Mann jedoch ein Angebot: Er soll sich den perfekten Mord ausdenken. Dann werde man sehen. Ridgeway kommt dabei die Fremde (Olivia Cooke) im Zug in den Sinn. Sie hat er auf der Hinfahrt kennengelernt. Mit ihr als Hauptfigur und mit ihm selbst als eine Art Ripley könnte doch was gehen.
Anton Corbijns EIN TALENT FÜRS MORDEN (A TALENT FOR MURDER) ist kein Biopic. Die Geschichte vom perfekten Verbrechen ist komplett erfunden, und zwar von der australischen Theaterautorin Joanna Murray-Smith für ihr Zwei-Personen-Stück "Switzerland". Der Regisseur hat es mit Hilfe von Joanna Murray-Smith in einen Psycho-Thriller verwandelt. Die Betonung liegt dabei auf Psycho. Eingewoben darin ist, quasi als Film im Film, das Mordkomplott, das sich in Rom zusammenspinnt. Helen Mirren verwandelt sich in eine großartig mürrische, intelligente und durchtriebene Autorin. Alden Ehrenreich macht sich als Verlagsmensch mehr als ordentlich und fasziniert als Alter Ego des morallosen Highsmith-Mörders. Beide balancieren trittsicher auf dem Drahtseil, fest gespannt zwischen Realität und Fiktion. Wer braucht da noch einen sechsten Ripley-Roman?
Drama, IT, GB, CH 2026; Regie: Anton Corbijn; Darsteller: Helen Mirren, Alden Ehrenreich, Olivia Cooke u.a.