Ein kleines Stück vom Kuchen

Wie sich Einsamkeit definiert? Zum Beispiel so: Wenn dir die Freundinnen zum 70. Geburtstag, der gar nicht dein richtiger Geburtstag ist, ein Blutdruckgerät schenken. Und wenn eine deiner Freundinnen beim Tee-Nachmittag beständig über ihre diversen, jedes Mal todbringenden Krankheiten erzählt. Mahin (Lili Farhadpour) führt so ein Leben in Teheran. Ihr Mann ist vor Jahren verstorben, ihre Tochter lebt in einem anderen Land. Doch Mahin hat sich nicht aufgegeben. Ihr lebenslustiges Gesicht verrät es und sie backt Orangenkuchen in der Hoffnung, dass sie jemand mal besucht. Dieser jemand ist Taxifahrer Faramarz (Esmaeel Mehrabi). Die Begegnung ist zufällig. Dass sie sich wiedersehen, ist es nicht. Gemeinsam gönnen sie sich Freundschaft und in einer Nacht der Nähe (unerlaubte) Freiheiten.

Das Regie-Duo Maryam Moghadam und Behtash Sanaeeha erzählt bittersüß von einem Moment des Glücks. Ihr Drama EIN KLEINES STÜCK VOM KUCHEN hat seine bezaubernden Momente: Wenn die beiden Spätberufenen auf einer Bank im Wohnzimmer sitzen. Zusammen und doch möglichst weit voneinander getrennt. Nähe will neu gelernt werden. Oder wenn sie zusammen angezogen duschen, weil ihnen Nacktsein peinlich ist. Nicht wegen der Mullahs. Wegen des Alters und seiner Spuren. Der Film gefiel der Regierung im Iran übrigens nicht, dem Publikum bei der Berlinale durchaus.

Iran 2024

Regie: Maryam Moghadam, Behtash Sanaeeha

Darsteller: Lili Farhadpour, Esmaeel Mehrabi u.a.

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Ab 12 Jahren  |  98 Minuten

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