Das Flüstern der Wälder
Wenn es Nacht wird, dann zieht es den Franzosen Michel Munier hinaus in den Wald. Es ist nicht die Stille, die er sucht. Es sind die Geräusche, die erst durch diese Stille hörbar werden: der Ruf der Eulen, das Knirschen der Hirschgeweihe, die sich ineinander verhaken, und der Schrei des Auerhuhns, der immer seltener erklingt. Sein Sohn, der Dokumentarfilmer Vincent Munier, teilt diese Faszination für ein Leben auf der Lauer. Er will sie wiederum an seinen Sohn Simon weitergeben. So begleiten sie Michel in die Vogesen und in den hohen Norden Norwegens. Eine Kamera nehmen sie mit, ein Lauschgerät, das die Töne einfängt, und unglaublich viel Geduld. Nur wer selbst still ist, hört, was die Nacht spricht.
Die gemeinsam verbrachte Zeit verwandelte Vincent Munier (DER SCHNEELEOPARD) in die meditative Naturdokumentation DAS FLÜSTERN DER WÄLDER. Was auf der Tonspur zu hören ist, fasziniert in gleicher Weise wie die Naturaufnahmen. Füchse, Luchse, Rehe, die Vögel des Waldes lassen sich beobachten. Das Rauschen des Windes, das Knacken der Äste, die Sprache der Tiere ist zu hören. Zugleich geht es nicht allein um die Wildnis. Es geht auch um die Verbindung zwischen Großvater, Vater und Sohn. Es geht um das Lauschen der Geschichten und um das Weitergeben von Erfahrung wie das Spurenlesen.
Die gemeinsam verbrachten Stunden - versteckt in einem getarnten Unterschlupf, beim Tollen im Schnee ober bei den Gesprächen im Kerzenlicht in der Hütte - verbinden die Familie. Und dann: Simon drückt seine Hand in den Schnee direkt neben die Tritte eines Vogels. Beide hinterlassen eine Lebensspur.
Dokumentarfilm; Frankreich 2025; Regie: Vincent Munier