Triegel trifft Cranach - Malen im Widerstreit der Zeiten

Im Jahr 1519 schuf Lucas Cranach ein sogenanntes Altarretabel für den Naumburger Dom in Sachsen-Anhalt. Drei Tafeln gestaltete der Renaissance-Künstler für den Marienaltar. Kaum mehr als 20 Jahre später fiel der Mittelteil mit dem Bildnis Mariens einem protestantischen Bildersturm zum Opfer. Seitdem blieb eine Lücke. Bis fast genau 500 Jahre später der Maler Michael Triegel einen besonderen Auftrag erhielt. Er sollte das Mittelstück neu erschaffen.

„Neu“ ist dabei das Schlüsselwort. Denn es gab keine Aufzeichnungen. Niemand weiß, wie es ursprünglich ausgesehen hat. Triegel, Renaissance-Maler in jedem Sinne des Wortes, machte sich ans Werk. Zwischen 2020 und 2022 malte er im Stil und in der Absicht Cranachs die Mitteltafel. Der linke und rechte Flügel dienten als Anregung. Aufs erste Hinsehen ergibt sich ein einheitliches Bild. Beim zweiten Hinsehen offenbart sich: Der Künstler hat die Gegenwart in die Vergangenheit gemalt. Das Gesicht Dietrich Bonhoeffers ist zu sehen, ein Obdachloser kommt vor und einige weitere gewollte Aktualisierungen. Seine Maria ist eine junge, selbstbewusste und freundliche Frau. So will sie der Maler auch zeigen. Emmi-Preisträger Paul Smaczny (DIE THOMANER) beobachtete den Schaffensprozess. Sein Making-of TRIEGEL TRIFFT CRANACH – MALEN IM WIDERSTREIT DER ZEITEN beschreibt Michael Triegels Verständnis von Kunst und seine Interpretation des Auftrags. Die Kunst-Doku reflektiert ebenfalls die Diskussion im Anschluss an die Fertigstellung. Dabei erregte nicht das Bild selbst die Gemüter. Es ging um den Standort. Obwohl das Retabel genau dort stand, wo es ursprünglich zu sehen war, drohte dem Dom genau deshalb der 2018 verliehene Status eines Weltkulturerbes entzogen zu werden. Was also tun?

Dokumentarfilm, Deutschland 2025, Regie: Paul Smaczny

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Ab 0 Jahren  |  111 Minuten

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