Lagunaria

Wenn es Venedig nicht (mehr) gäbe, musste man von der Lagunen-Stadt erzählen, wie man es von Atlantis tut. Von einem Mythos, von einer Legende. Von der Gründung durch die Menschen, die ihre Boote zu Häusern machten. Von Glanz und Elend. Vom Ruhm, der der Stadt so viele Namen schenkte, vom Verlust und vom Ertrinken in den steigenden Wassern einer zu warmen Welt und in den Strömen der Touristen. Giovanni Pellegrini, der sich seit mehr als fünf Jahren dokumentarisch und künstlerisch darum bemüht, die Seele Venedigs zu finden und zu konservieren, schaut zurück aus der Zukunft. Sein eigenwilliges Stadtbild LAGUNARIA ist zugleich non-fiktional und fiktiv. Die italienische Schauspielerin Irene Petris spricht in flüsternd beschwörendem Ton einer Märchen- oder Mythen-Erzählerin von dieser untergegangenen Stadt im Wasser. Die ruhige, nachhallende Musik von Filippo Perocco verstärkt den Eindruck, dass die Bilder, wiewohl aus den letzten fünf Jahren entnommen, einer ungenannten Vergangenheit entstammt. Pellegrini zeichnet das Labyrinth der Lagune nach, sieht Fischer und Bootsleute und blickt auf das Panorama der Stadt. Ist das schon Poesie oder eher Eulogie? Sein Film ist vor allem ein Liebesdienst für ein Venedig, das es so nicht (mehr) gibt.

Italien 2022

Regie: Giovanni Pellegrini

 

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Ab 0 Jahren  |  85 Minuten