Kleine schmutzige Briefe

Die Worte "Fotze" und "Hure" kommen vor. Weitere weniger schmeichelhafte Wörter ebenfalls. Nein, niemand hat sich da in einem sozialen Medium ausgetobt. Die üblen Tiraden sind hübsch mit der Hand geschrieben und beginnen unter anderem sehr gepflegt mit der Anrede "Geehrte Edith". Verschickt wurden die Nachrichten auch nicht gerade jetzt, sondern in den 1920er Jahren in dem englischen Kleinstädtchen Littlehampton. Aber anonym sind sie ebenfalls. Die Polizei macht sich auf die Suche nach der Täterin und hat gleich Rose (Jessie Buckley) im Verdacht. Die ist Witwe und sowieso vulgär. Vielleicht aber hat sich die "geehrte Edith" (Olivia Colman), die im Helmhütchen und auch sonst sehr altjüngferlich aussieht, die Obszönitäten selbst geschickt. Zuzutrauen wäre dem Tugendmonster ein solch perfider Plan. Während die männlichen Kollegen stets die Falsche verhaften, macht sich die Constable Gladys Moss (Anjana Vasan) an eine geordnete Sendungsverfolgung.

Weil es so verrückt klingt: Die Geschichte, die Thea Sharrock komödiantisch und als Plädoyer für weiblichen Spürsinn in der Krimi-Komödie KLEINE SCHMUTZIGE BRIEFE erzählt, ist wahr. Jedenfalls so ziemlich. Der Skandal, der sich mit dieser Episode verbindet, ist übrigens weniger der Inhalt der Briefe, vielmehr das Versagen der Polizei. Es folgte zudem eine wissenschaftliche Abhandlung über die kreative Vielfalt britischer Vulgärsprache. Aber das nur nebenbei. Thea Sharrock gibt sich derweil lustvoll einem Katz-und-Maus-Spiel hin. Was sich dabei zeigt: Eine Komödie mit ernsten Zwischentönen kann auf ausgesprochen derbe Weise hintersinnig sein.

Großbritannien 2023

Regie: Thea Sharrock

Darsteller: Olivia Colman, Jessie Buckley, Timothy Spall u.a.

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Ab 12 Jahren  |  101 Minuten

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