Die Unschuld

Saori (Sakura Andô) stutzt. Ihr zehnjähriger Sohn Minato (Soya Kurokawa) kommt eines Tages mit nur einem Schuh aus der Schule nach Hause. Dann schneidet er sich ohne echten Grund die Haare. Und was ist mit der blutigen Nase? Die Witwe hat einen Verdacht: Misshandelt der Lehrer Hori (Eita Nagayama) ihren Sohn? Sie spricht in der Schule der japanischen Hafenstadt vor und erhält eine Entschuldigung. Aber der Fall ist damit nicht geklärt. Herr Hori deutet an, dass ihr Sohn nicht Opfer, sondern Täter ist. Auf den jungen Yori (Hinata Hiiragi) soll er es abgesehen haben. Saori kann es nicht glauben. Und plötzlich ist ihr Sohn verschwunden.

Der SHOPLIFTER-Regisseur Hirokazu Kore-eda, folgt in seinem beeindruckend gespielten Schuldrama DIE UNSCHULD einem großen Vorbild. Ähnlich wie Akira Kurosawa in RASHOMON spielt der Japaner die Geschichte um mögliches Mobbing (aber auch um unerfüllte Freundschaft) aus drei unterschiedlichen Perspektiven durch. Die Mutter, der Lehrer und schließlich Minato tragen nacheinander die Handlung. Jeder hat seine eigene Wahrheit. Kore-eda folgt dabei seinem eigenen Vorbild, denn die Perspektive von Kindern bestimmt häufig den Winkel seiner Kameraführung. Man lernt zudem einiges über die Sitte der formellen Entschuldigung, die oft nicht mehr ist als ein Ritual. Hirokazu Kore-eda und Yuji Sakamoto gewannen für ihr Drama mit subtilem Thrill gemeinsam den Drehbuch-Preis in Cannes. Im Original heißt der Film MONSTERS. Es lohnt sich zu fragen: Welches Ungeheuer ist gemeint?

Japan 2023

Regie: Hirokazu Kore-eda

Darsteller: Sakura Andô, Eita Nagayama, Yûko Tanaka u.a.

 

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Ab 12 Jahren  |  127 Minuten

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