Das leere Grab

In Tansania liegt das Grab von Nduna Songea Mbano. Sein Name steht auf dem Grabstein. Seine Familie ehrt den Toten. Doch das Grab ist leer. Die Gebeine von Nduna Songea Mbano sind verstreut. Sein Schädel liegt in Europa. "Die Weißen haben ihn mitgenommen", so sagt der Leiter der Zeremonie. Vor mehr als 100 Jahren starb Nduna Songea Mbano während des Maji-Maji-Aufstandes in dem damals so genannten Deutsch-Ostafrika. Seinen Schädel nahmen die Kolonialisten zu "Forschungszwecken" mit nach Berlin. Kein Einzelfall. Zehntausende solcher Gebeine lagern nach wie vor in deutschen Museen. Die Regisseurinnen Agnes-Lisa Wegner und Cece Mlay begleiten einen Urenkel von Mbano sowie eine weitere Familie bei dem Versuch, ihre Ahnen heimzuholen. Die Dokumentation DAS LEERE GRAB, vorgestellt auf der Berlinale, erinnert an gern verdrängtes Unrecht. Sie zeigt, welche bürokratischen Hürden die Hinterbliebenen überwinden müssen und wie schwer es ist, trotz deutscher (auf Mikrofilm dokumentierter) Gründlichkeit die Spuren der Toten wiederzufinden. Die Spurensuche schließt dabei die Geschichte der Familien mit ein. Damit leisten die beiden Autorinnen auf ihre Weise Wiedergutmachung. Aus Schädel, die in einem Regal lagern, machen sie wieder Menschen, die gelebt haben, die nicht vergessen sind und deren Grab nicht leer bleiben darf.

Originalfassung in Suaheli, Deutsch und Englisch, teilweise mit deutschen Untertiteln.

Tansania 2024

Regie: Agnes Lisa Wegner, Cece Mlay

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Ab 12 Jahren  |  103 Minuten

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