Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

Da ist Joachim selbst überrascht. Der Junge aus der norddeutschen Provinz hat es an die renommierte Otto-Falckenberg-Schule für Schauspieler geschafft. Mit nur einem richtig guten Vorsprechen aus "Dantons Tod". Dass die Lehrwerkstatt für Mimen in München liegt, ist kein Problem. Oma Inge Brinkmann (Senta Berger) und Großvater Hermann Krings (Michael Wittenborn) leben hier. Sie war selbst eine berühmte Schauspielerin, er war Philosophieprofessor. Beide pflegen inzwischen eine hochentwickelte Trinkkultur. Die Villa in München wird zum beschützten Ort. Draußen, in der Schule, geht es deutlich intensiver zu. Und das erklärt sich nur bedingt damit, dass Joachim bei einer Probe mit einem Plüschpenis einen Baum begatten oder bei einer Probe ein Spaghetto spielen soll.

Aus Joachim (Meyerhoff) wurde dann doch ein Bühnenstar. Nicht ohne Kampf. Regisseur Simon Verhoevens (ALTER WEISSER MANN) Verfilmung des autobiografischen Romans ACH, DIESE LÜCKE, DIESE ENTSETZLICHE LÜCKE schaut ebenso ernsthaft wie komisch zurück auf die Anfänge: Wie viel Überwindung kostete es, fachgerecht zu lächeln. Wie schwer war es, die Selbstzweifel zu überwinden. Bruno Alexander, schlank, blond und ein wenig milchgesichtig, agiert als Ich-erzählender Joachim ergreifend peinlich und inspirierend suchend. Senta Berger, wahrhaft eine Frau vom Fach, drehte mit ihrem Sohn Simon Verhoeven. Nach dem Tod ihres Mannes Michael Verhoeven im Jahr 2024 erhält für sie der Goethe zitierende Filmtitel eine ganz eigene Bedeutung.

Drama, Deutschland 2025, Regie: Simon Verhoeven; Darsteller: Bruno Alexander, Senta Berger, Michael Wittenborn u.a.

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Ab 6 Jahren  |  136 Minuten