Nomadland

FSK 0 109 min Drama

Produktion: USA 2020

Verleih: Walt Disney Int'l

Darsteller: Frances McDormand, David Strathairn, Linda May

Regie: Chloé Zhao

Nachdem Fern ihren Job und ihr Haus verloren hat, reist sie mit ihrem Van als Nomadin durch das Wüstengebiet des amerikanischen Westens.

Man würde ja gern ins Schwärmen geraten. Über die Schauspielkunst von Frances McDormand, deren Gesicht in dem Roadmovie NOMADLAND so spröde wie Gusseisen wirkt. Aus ihren Augen leuchten wechselnd wie die Landschaften Sehnsucht, Traurigkeit, Freude und so was wie gesuchte oder verlorene Liebe. Wie großartig Kameramann Joshua James Richards Natur fotografiert hat, vom Meer bis zur Wüste, den Wald und den Winter im Westen Amerikas. Die Panoramen sind dabei mehr als schön. Sie spiegeln die Gezeitenströme der Seele.
Dann sind da die Dialoge oder besser die One-Liner: Sie sei doch obdachlos, fragt ein Mädchen die Nomadin Fern (Frances McDormand). Sie antwortet: ?Ich bin hauslos. Das ist nicht das Gleiche, oder?? Oder eben jener Trost von Bob Wells, der sich selbst spielt. Seine Wüstentreffen in Arizona sind Ankerpunkt für viele der dauerhaft Reisenden. Wells sagt über das Kommen und Gehen:?Man nimmt nicht wirklich Abschied. Der Gruß der Straße lautet ,Man sieht sich´.? Und das passiert dann irgendwie auch. Die Liste ließe sich leicht fortschreiben mit dem Hinweis auf das klug konstruierte Hybrid-Genre zwischen Fiktion und Realität: Eine Reihe der Darsteller sind nämlich gar keine. Sie spielen Variationen von sich selbst.
Aber Chloé Zhaos Drama verträgt kein Schwärmen. Unaufgeregt, beinahe stoisch erzählen sich die Geschichten. Jene von der 60-jährigen Fern, die nach dem Tod ihres Mannes ihre Habseligkeiten verkauft und den Campingbus zum Zuhause macht. Von Swankie (Charlene Swankie), die sich mit dem Gesetz der Straße vertraut macht und auf ihrer letzten langen Reise ist, von dem Nomaden Dave (David Strathairn), der dann doch Wurzeln schlägt und eben von dem zottelbärtigen Bob Wells, der selbst Trost braucht.
Fern sucht immer wieder Arbeit und findet sie: bei Amazon im Weihnachtsgeschäft, als Camp Host in einem Nationalpark, in dem sie auch die Toiletten putzt oder in einer Zuckerrübenfabrik. Nichts ist von Dauer, alles eben gerade jetzt, um den Lebensunterhalt zu sichern, das tägliche Brot in gewisser Weise.
Im Jahr ohne Kino ist NOMADLAND der Film, der auf der großen Leinwand gesehen werden will. Die chinesische Regisseurin verfilmte das Sachbuch ?Nomaden der Arbeit? von Jessica Bruder in einer Weise, für die selbst ein großer Fernseher zu klein ist. Dafür gab es drei Oscars: bester Film, beste Regie und natürlich den für Frances McDormand. Zwei Golden Globes und den Peoples Award in Toronto stehen ebenfalls auf der endlos langen Preisliste. Aber das Wedeln mit Lorbeeren passt zu NOMADLAND so wenig wie lobhudelndes Schwärmen. Vielleicht geht es so: Es lohnt sich, den Film anzuschauen.

Verfügbare Formate:
2D
OmU

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